Ein Denkmal zieht mit in die Zukunft: Forchheimer Baukultur wird neu sichtbar
VR Bank integriert denkmalgeschützte Müller & Seybold Villa in neues Quartier an der Nürnberger Straße 24
8. Juli 2026
8. Juli 2026
Während nebenan die Aushubarbeiten für das moderne Bank- und Geschäftsgebäudeareal in der Nürnberger Straße 24 auf Hochtouren voranschreiten, wird in der historischen Müller & Seybold Villa gerade die Vergangenheit Schicht für Schicht freigelegt. Das markante Gebäude aus dem Jahr 1898 wird im Zuge des Neubaus der VR Bank Bamberg-Forchheim nicht nur erhalten, sondern künftig als Teil des neuen Quartiers genutzt. Bauherrschaft, Denkmalpflege und Restauratoren verfolgen mit der bevorstehenden Sanierung, die in Absprache mit den Denkmalschutzbehörden erfolgt, eine bewusste Verbindung von Geschichte und Zukunft.
„Die Villa ist ein Teil der Forchheimer Stadtgeschichte“, betont Sebastian Gulden, von der VR Bank für das Bauvorhaben beauftragter denkmalpflegerischer Gutachter. Entgegen ihrer heutigen Bezeichnung sei sie ursprünglich kein klassischer Villenbau gewesen, sondern ein repräsentatives Mietshaus. Bauherr war einst der Forchheimer Sägewerksbesitzer Johann Baptist Karg, der hier mit seiner Familie lebte. Das Gebäude entstand als Teil der prunkvollen Bebauung entlang der Nürnberger Straße, die um 1900 als modernes Entrée zur Stadt galt.
„Das Haus ist ein historischer Anker“, sagt Gulden. „Es zeigt, wie die Menschen in Forchheim ihre Stadt in einer Zeit von Industrialisierung und Aufbruch gestaltet haben.“ Mit seiner reich gegliederten Fassade, den Sandsteinelementen und den charakteristischen Formen der Neorenaissance gehöre es zu den Zeugnissen der Stadterweiterung südlich der Altstadt. Dass die Villa heute Teil eines modernen Bankensembles wird, sieht der Denkmal-Experte als besondere Chance. „Das Haus von 1898 und der Neubau der VR Bank zeichnen gemeinsam eine Traditionslinie zwischen der Zeit um 1900 und dem Heute. Das alte und das neue Forchheim finden hier zusammen.“
Auf Spurensuche in einem Gebäude mit Gedächtnis
Bevor über die Restaurierung entschieden werden kann, untersuchen Fachleute derzeit die historische Substanz des Hauses. Restauratorin Luisa Wagner führt umfangreiche Befunduntersuchungen durch. Dabei werden Farbschichten, Putze, Deckenmalereien und historische Ausstattungsdetails freigelegt und dokumentiert. „Die Befunde sind das Gedächtnis des Gebäudes“, erklärt sie. „Sie helfen uns zu verstehen, wie die Villa ursprünglich aussah, welche Veränderungen später vorgenommen wurden und welche Elemente besonders erhaltenswert sind.“
Die bisherigen Ergebnisse haben die Expertin überrascht. „Schon bei der ersten Begehung waren Fragmente historischer Gestaltungen sichtbar. Dass aber in vielen Räumen noch die bauzeitliche Erst- oder Zweitgestaltung vorhanden ist, hätte ich nicht erwartet“, staunt Wagner.
Zum Vorschein kommen Schablonenmalereien, farbige Wandfassungen und kunstvoll gestaltete Decken. Solche Funde seien heute selten geworden, weil viele historische Oberflächen im Laufe der Jahrzehnte überarbeitet oder entfernt wurden.
Grundlage für die Sanierung: ein Gebäude lesen können
Die Erkenntnisse fließen teilweise direkt in das spätere Sanierungskonzept ein. Ziel sei es, die historischen Qualitäten des Hauses sichtbar zu machen und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen. „Man muss die Geschichte eines Gebäudes lesen, bevor man es verändert“, betont Denkmalpfleger Gulden. Nur wer die historische Entwicklung kenne, könne verantwortungsvoll entscheiden, was erhalten, restauriert oder angepasst werden solle. Dabei gehe es nicht darum, das Gebäude in einem bestimmten Zustand einzufrieren. „Denkmalschutz bedeutet, die Geschichte eines Hauses fortzuschreiben“, so der Gutachter. Moderne Ergänzungen seien ausdrücklich möglich, wenn sie respektvoll mit dem Bestand umgehen. „Historisch gesehen erzählt das Haus aber auch von den Torheiten früherer Zeiten, die nicht immer pfleglich mit dem kostbaren Erbe umgingen. Die anstehende Renovierung wird hier einige Wunden heilen“, ist sich Gulden sicher. Und da Nutzung häufig der beste Denkmalschutz ist, so das Credo von Denkmalpfleger und Restauratorin, zählt die Integration des Wohnhauses als künftigem Beratungsbereich fraglos zu den denkmalverträglichen Umnutzungen.
Künftig wird die Villa über eine verglaste Eingangshalle mit dem Neubau verbunden sein. Besucherinnen und Besucher sollen dann nicht nur das historische Treppenhaus erleben können. Auch freigelegte Deckenmalereien und weitere restaurierte Ausstattungsdetails werden sichtbar bleiben. Ergänzend ist geplant, die Geschichte des Hauses auf Informationstafeln zu dokumentieren.
Investition in Baukultur und Standort
Für die VR Bank Bamberg-Forchheim ist die Erhaltung der Villa mehr als eine bauliche Aufgabe. „Der Erhalt der Villa ist für uns eine bewusste Investition in die historische Baukultur Forchheims“, betont Joachim Hausner, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Bamberg-Forchheim. Entscheidend ist nicht nur, ein Denkmal unangetastet zu bewahren, sondern ihm eine nachhaltige Zukunft zu geben. „Ein Gebäude lebt davon, dass es genutzt wird“, so Hausner.
Durch die Integration der Villa in das neue Nutzungskonzept erhält das Gebäude eine konkrete Funktion und wird zu einem lebendigen Bestandteil des zukünftigen Kundenerlebnisses.
Damit soll das Gebäude-Denkmal künftig auch für die Öffentlichkeit erlebbar werden. „Die Verbindung von denkmalgeschützter Bausubstanz und moderner Nutzung zeigt, dass Erhalt und Zukunft kein Widerspruch sind“, so die Projektverantwortlichen. „Beides muss gemeinsam gedacht werden.“ Ganz im Sinne eines alten Grundsatzes, den auch Gutachter Sebastian Gulden zitierte: „Das Alte bleibt für das Neue.“
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